Akupunktur

Neben der schulmedizinischen Betreuung von Pferden liegt ein Schwerpunkt meiner Praxis in der ganzheitlichen Betrachtung des Patienten (Hund und Pferd) mittels Akupunktur. Für mich als Tierärztin ist die Akupunktur eine wichtige Ergänzung zur Erhaltung der Gesundheit und zur Behandlung von Krankheiten. 

Häufige Einsatzmöglichkeiten

  • Schmerztherapie
  • innere Erkrankungen
  • muskuläre Dysbalancen
  • Atemwegserkrankungen und Infektanfälligkeit
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • Leistungsabfall
  • Probleme im Magen-Darm-Trakt

Ganzheitliche Medizin

Akupunktur ist ein Teil der traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und ist eine jahrtausend alte Therapieform.

Das Tier wird als Ganzes gesehen und Krankheiten als Störungen des Energieflusses im Körper betrachtet. Konstitution und die augenblickliche energetische Situation spielen dabei eine ebenso große Rolle wie mögliche vorhandene Symptome oder Beschwerden. Es wird nicht nur das gerade sichtbare Symptom behandelt, sondern das Tier wird unter Berücksichtigung seiner (Vor-)Erkrankung(en), seiner Lebensumstände, seiner Haltung, seiner Ernährung, Ausrüstung und seiner Psyche in Betracht genommen. So entsteht ein Gesamtbild, aus dem sich die Auswahl der Akupunkturpunkte ergibt. Über diese wird Einfluss genommen auf den körpereigenen Energiefluss entlang der Meridiane und des gesamten Organismus. Die Meridiane sind ein verzweigtes Wegesystem das den ganzen Organismus durchdringt bis in die kleinste Zelle. In den Meridianen fließt die aktive Energie, die Lebensenergie "Qi".

Die traditionelle chinesische Akupunktur nutzt die Selbstheilungskräfte um den Körper wieder in Balance zu bringen. Die Einsatzgebiete der Akupunktur reichen von der Gesundheitsvorsorge über chronische Erkrankungen, Rehabilitation, Verhaltensprobleme bis zur Verbesserung der Rittigkeit von Pferden.
Für mich als Tierärztin ist die Akupunktur eine wichtige Ergänzung zur Erhaltung der Gesundheit und zur Behandlung von Krankheiten.

Wissenswertes zur traditionellen chinesischen Medizin

Yin und Yang

Allgemein bekannt sind die Begriffe Yin und Yang. Diesen Begriffen werden gegensätzliche Eigenschaften (z.B. Ruhe und Dynamik, Kälte und Wärme usw.) zugeordnet. In jedem Bereich eines Organismus sind Yin und Yang zu finden. Sind Yin und Yang in allen Bereichen im Gleichgewicht, so ist der Organismus gesund und kann seinen Aufgaben nahezu uneingeschränkt nachkommen.

Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Yin und Yang charakterisiert den Idealzustand von Harmonie in der Natur, das ökologische Gleichgewicht. Jedes "zu viel" oder "zu wenig" auf der einen oder anderen Seite führt unweigerlich zu Störungen.

Qi

Ein weiterer Begriff ist Qi, die allgemeine Lebensenergie. Ohne Qi ist kein Lebensprozess vorstellbar. Qi ist die Energie für das "Tagesgeschäft" in allen möglichen Bereichen, welche verbraucht wird aber auch erneuert werden kann. Aus moderner Sicht kann Qi als die aus einem aktiven Stoffwechsel entstehende Energie gedeutet werden. Erneuerbar ist Qi durch Nahrungsaufnahme, Trinken, Atmen, Wärmeaufnahme, Lichteinstrahlung usw. Die TCM unterscheidet je nach Aufgabe und Herkunft mehrere Arten von Qi.

Fünf Elemente

Die Fünf-Elementen-Lehre geht davon aus, dass alle Dinge der materiellen Welt auf die fünf Grundelemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser zurückzuführen sind. Ebenso wird davon ausgegangen, dass alles Lebende im Laufe der Entwicklung die entsprechenden symbolischen Phasen durchläuft.

Jedem dieser Elemente sind bestimmte Körperorgane zugeordnet. Neben der direkten materiellen Organbeziehung haben sie auch noch eine symbolische, emotionale und psychische Bedeutung. Jedes dieser Elemente ist in der Lage, sowohl fördernd und unterstützend (Sheng-Zyklus) als auch hemmend und kontrollierend (Ko-Zyklus) auf bestimmte andere Elemente des Regelkreises einzuwirken. So kommt es auch bereits bei geringgradigen Störungen in einem Bereich zur Aktivierung der kybernetisch wirkenden Ausgleichsfunktionen. Das gesamte System ist also immer bestrebt, in allen Bereichen ein harmonisches Gleichgewicht herzustellen.

Meridiane

Viele Begriffe aus der TCM mögen für uns moderne Menschen kurios klingen. Die Therapieerfolge dieses jahrtausende lang erprobten Systems sprechen jedoch bei konsequenter Anwendung für sich selbst. TCM und somit auch Akupunktur sind immer individuell und fallspezifisch zu sehen. Rezeptbehandlungen wie z.B.: "Welche Punkte steche ich bei Bronchitis?" werden nur in einem eingeschränkten Maße erfolgreich sein. Das Hauptziel einer TCM-Behandlung liegt darin, neben der Behandlung der aktuellen Probleme die Ursache einer Erkrankung zu finden und zu beseitigen.

Nach Auffassung der TCM fließt Lebensenergie in Energiebahnen durch den Körper. Diese Energiebahnen werden Meridiane genannt. Wird der Fluss der Lebensenergie Qi unterbrochen oder eingeschränkt, entstehen Störungen, die zu Krankheiten führen können.
Eine Störung des Qi-Flusses kann durch folgende Faktoren ausgelöst werden:

  • äußere Einflüsse (Kälte, Hitze, Feuchtigkeit, Trockenheit, etc.)
  • Innere Einflüsse (Angst, Trauer, Aggression, psychische Faktoren, etc.
  • Ernährungsfehler
  • Körperliche und mentale Überanstrengung
  • Verletzungen, Traumata

Auf den Meridianbahnen befinden sich Punkte, über die gestörte Energieflüsse beeinflusst werden können. Dies sind die Akupunkturpunkte. Durch den Einsatz von Nadelstichen oder anderen Akupunkturmethoden in die richtigen Punkte können Energiestauungen wieder gelöst werden.

Der Akupunkturpunkt wird definiert als spontan reizsensibler Hautpunkt, der durch einen verminderten elektrischen Hautwiderstand gekennzeichnet ist. Eigentlich ist der Akupunkturpunkt eine Durchtrittsstelle von einem Blutgefäß-Nerven-Bündel durch die oberflächliche Körperfaszie, welche man z. T. auch ertasten kann. Die oberflächliche Körperfaszie ist eine Hülle, die wie ein Trikot unter der Haut liegt und den Körper mit seinen Muskeln, Sehnen und anderen Organen und Strukturen in Form hält.

Auch wenn die Wirkmechanismen der Akupunktur bis heute, selbst mit modernen wissenschaftlichen Methoden noch nicht vollständig geklärt werden konnten, so ist doch eine Vielfalt der Effekte durch physiologische Funktionen erklärbar. Hierzu zählen z.B. Stimulation der Nerven, Freisetzung von Hormonen, Freisetzung von schmerzreduzierenden Substanzen oder eine gezielte Beeinflussung der Durchblutung.